Militärdienst

Eine der Voraussetzungen, um zur Selektion zum Militärpiloten zugelassen zu werden, ist das Brevet als Leutnant der Schweizer Armee.  Somit beginnt die militärische Laufbahn eines jeden Militärpiloten beiderlei Geschlechts in einer Rekrutenschule. Mein Bericht beziehtsich auf die Erfahrungen nach dem System der Beförderungsdienste vor Inkraftsetzung der Weiterentwicklung der Armee (WEA).

 

Rekrutenschule (RS) 7 Wo

Nach Abschied von Familie und Freundin fährt man mit den SBB in das Dorf oder die Kleinstadt, in deren man die RS absolvieren wird. In der zu diesem Zeitpunkt noch unvertrauten Sprache des Militärs heisst das „Einrücken“.  Im Zug begegnet man leicht nervösen, zum Teil gespielt coolen Gleichaltrigen mit grossen Sporttaschen. Sehr rasch wird klar, dass man dasselbe vor sich hat. In der Kaserne angekommen wird man von Vorgesetzten informiert, was in den nächsten Stunden und Tagen geschieht. In der ersten Woche lernt man den ganz und gar ungewohnten militärischen Alltag kennen.  Man erhalt eine ganze Menge Ausrüstung und lernt beispielsweise, was der Vorgang „persönliches und Korpsmaterial fassen“ heisst.  Und so macht man sich mit der Zeit  mit diesen fremd wirkenden Ausdrücken und Gepflogenheiten vertraut.

In den folgenden sieben Wochen lernt man militärische Formen und die Basics des soldatischen Handwerks wie Schiessen, Marschieren, Sanitätsdienst oder Zwangsmittelanwendung. Die Tage sind lang, Kleidung und Schuhwerk unbequem, manchem schmerzen die Füsse schon vor dem Mittagessen. Doch das gibt sich. Es entwickelt sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl im Zug und mit den meisten Kameraden wird es oft recht lustig. Man lernt Vorgesetzte und Kollegen gut kennen (und einschätzen…). Man ist schon nach wenigen Wochen zusammengeschweisst und ist immer füreinander da. Zukünftige Kaderanwärter werden schon früh für eine spätere Verwendung als Gruppenführer, Feldweibel, Fourier oder Zugführer ausgewählt.

 

Unteroffiziersschule (UOS) 9 Wo

Nach nur sieben Wochen findet man sich auf  dem Appellplatz der Unteroffiziersschule wieder. Bei einigen stellen sich die Gefühle des ersten Tags der RS wieder ein, wieder weiss man nicht so recht, was jetzt kommt. Der Abschied aus dem vertrauten Zug kam früh und fällt nicht allen leicht. Wieder wird Material ausgefasst, der Kampfrucksack wird noch schwerer. In den ersten Wochen wird man in der Methodik und Didaktik geschult, wie man eine Gruppe von bis zu zehn Personen führen und ausbilden soll. Der menschliche Aspekt ist sehr wichtig beim Führen. Die Tage sind abwechslungsreich: längere Märsche als die bisher Gewohnten wechseln sich mit Probelektionen ab, die wir vor und mit unseren Kameraden abhalten. Vom Berufspersonal wird man aufmerksam gecoacht, auch das Umgehen mit Kritik will gelernt sein. Parallel dazu findet noch die Selektion der künftigen Offiziere statt, meist in Form von zusätzlichen Übungen und Mehrarbeit.  Am Schluss der UOS findet die grosse Abschlussübung statt, welche für einige das Highlight der UOS darstellte.

 

Offizierslehrgang (Of Lhg) 4 Wo

Im Offizierslehrgang kommen alle Offiziersanwärter aller Truppengattungen zusammen. Man lernt neue Gesichter kennen, trifft aber auch welche, die man aus der Schulzeit kennt und die es ebenfalls hierher verschlagen hat. Man merkt, dass man ein Teil eines grösseren, schweizweiten Ganzen ist. Im Offizierslehrgang werden die Aufgaben und Arbeitsweise eines Offiziers vermittelt. Man lernt taktisches Grundwissen und beschäftig sich viel mit Papier und Reglementen. Jede Woche gibt es Tests und man macht viele Übungen im Gelände.

 

Offziersschule (OS) 13 Wo

Gleich zu  Beginn der Offiziersschule merkt man sofort, dass jetzt ein anderer Wind herrscht. Der Druck ist hoch, man ist ständig in Zeitnot, einige geraten ans Limit. In den folgenden 13 Wochen wird einem beigebracht, wie das geht, als Zugführer bis zu 60 Leute zu führen. Es gibt wieder zahlreiche Übungen bei Tag und Nacht im Gelände („draussen“) und man verschiebt meist mit dem Fahrrad oder zu Fuss. Man lernt zurechtzukommen mit wenig Schlaf und langen Arbeitstagen. Jede Übung schweisst die Klasse mehr zusammen, man erkennt dann schon am Gesichtsausdruck was die Kameraden denken oder fühlen. Gegen Ende findet die Durchhalteübung statt, welche je nach Truppengattung 7 oder mehr Tage dauert. Krönender Abschluss ist der traditionelle 100 Km Marsch der für viele unvergesslich bleibt.

Wenn man verstanden hat, immer das Positive zu suchen und nicht aufzugeben, kommt man erstaunlich weit.

Abverdienen 21 Wo

Nach der Offiziersschule findet man sich in seiner angestammten Kaserne wieder, wo binnen weniger Tage die nächste RS beginnt.  Zusammen mit den neuen Unteroffizieren plant man gemeinsam die ersten 3 Wochen dieser RS. Dieser Einsatz heisst  Abverdienen. Das bedeutet nichts anderes, als das vorher Gelernte in die Praxis umzusetzen. Am darauf folgenden Montag rücken hunderte zivil gekleidete junge Männer ein, die genau dasselbe durchmachen wie wir 9 Monate zuvor. Diesmal sind wir es, die die Rekruten einweisen, ihnen die Basics beibringen und mit ihnen das „Material fassen“- ein Begriff mit dem wir längst, sie noch nicht vertraut sind.

Die Arbeitstage als Zugführer sind lang, man hat wenig Zeit für sich. Jedoch macht es grossen Spass, die Fortschritte der Rekruten zu begleiten und zu unterstützen. Diese Zeit ist war für mich die bisher Lehrreichste.

Nach der Grundausbildung (AGA) werden die Rekruten auf eine Technischen Funktion ausgebildet. Diese Ausbildung wird durch andere Lehrpersonen vermittelt, der Zugführer ist hauptsächlich Organisator und Animator.

In dieser Phase lernen die Rekruten, die Aufgabe auszuführen welche sie später im WK haben werden. Nach der Fachgrundausbildung geht es in die Verbandsausbildung, in welcher das erlernte gefestigt wird und unter erschwerten Bedingungen angewendet wird.