Selektion

Die Selektion zum Berufsmilitärpiloten der Schweizer Luftwaffe

Aller Anfang ist „SPHAIR“

Der Einstieg in die gut zweijährige Selektion zum Militärpiloten stellt SPHAIR dar. Die zivile Organisation hat das Ziel, Schweizer Aviatiktalente zu finden und ihnen die Möglichkeit zu geben, in die Welt der Aviatik einzusteigen. Ob man nun Militärpilot, Linienpilot oder Flugverkehrsleiter werden möchte; SPHAIR bietet für alle Berufe der Aviatik den optimalen Einstieg.

SPHAIR Screening 

Das SPHAIR Screening ist der erste von sieben Selektionsschritten zum Berufsmilitärpiloten und die erste grosse Hürde, die es zu nehmen gilt, um den zweiwöchigen fliegerischen SPHAIR-Kurs besuchen zu dürfen. Kognitive Fähigkeiten wie Multitasking, Merkfähigkeit, optische Wahrnehmung, räumliches Vorstellungsvermögen sowie Mathematik, Kopfrechnen, ein allgemeines technisches Verständnis und Englisch werden getestet. Daneben füllt man auch mehrere Fragebogen aus, mit denen die Anwärter bereits ein erstes Mal ihre Persönlichkeit profilieren können. Am Ende des Tages erhält man eine E-Mail mit dem entsprechenden Resultat.

Es empfiehlt sich sehr, sich gezielt auf das Screening vorzubereiten. Siehe www.sphair.ch

Flugkurs 

Im zweiwöchigen Flugkurs lernt man während zehn Flügen das Grundhandwerk des Fliegens. Zum ersten Mal fliegt man mit eigenen Händen ein Flugzeug – ein unbeschreibliches Gefühl! Dies immer unter Aufsicht eines erfahrenen SPHAIR-Fluglehrers. Die Flüge sind klar vordefiniert und Schritt für Schritt lernt man das Flugzeug zu starten, durch den Himmel zu manövrieren und wieder zu landen. Der zehnte und letzte Flug wird von einem Militärpiloten abgenommen. Dieser greift nur im Notfall ein, denn die Flugschüler sind zu diesem Zeitpunkt bereits in der Lage das Flugzeug von Start bis und mit Landung selbstständig zu führen. Nach dem letzten Flug erhält man eine ausführliche Qualifikation: Mit der Qualifikation A „Militärpilot“ darf man sich bei der Luftwaffe für die Berufseignungsabklärung als Militärpilotenanwärter bewerben.

Berufseignungsabklärung

PEG „Psychologisches Eignungsgespräch“

Nach der Rekrutierung darf man sich bei der Luftwaffe als Berufsmilitärpiloten­anwärter (BMPA) bewerben. Beim PEG wird vor allem der Wille und die Motivation des BMPAs unter die Lupe genommen. Man findet sich am Morgen am Fliegerärztlichen Institut (FAI) in Dübendorf ein und wird von einer Flugpsychologin oder einem Flugpsychologen des FAI empfangen. Den Morgen verbringt man im Einzelgespräch sowie zwei Aufsätzen zu einem bestimmten Thema. Es geht darum den BMPA etwas genauer kennenzulernen. Am Nachmittag wird ein zweiter Psychologe beigezogen, der noch versucht, offene Fragen zu klären. Am Ende des Gespräches wird direkt mitgeteilt, ob man für den zweiten Teil der Berufseignungsabklärung wieder antreten darf.

FBA „Flugpsychologische Berufseignungsabklärung“

Die FBA ist etwas anders aufgebaut als das PEG. Man ist nicht mehr alleine am Start, sondern trifft sich zusammen mit drei bis fünf anderen BMPAs im FAI. Die FBA ist in zwei Teile gegliedert; in einen psychologischen und einen medizinischen Teil. Beide Teile nehmen einen ganzen Tag in Anspruch. Im Psychologischen Teil geht es darum, in einer Gruppe gewisse Aufgaben zu lösen. Die Teamfähigkeit sowie die Kompromissbereitschaft, aber auch die Fähigkeit sich durchzusetzen, stehen im Vordergrund. Im medizinischen Teil wird man wortwörtlich auf Herz und Nieren getestet. Während einem ganzen Tag werden Augen, Ohren, Lunge, Bewegungsapparat sowie Herzklappen und die Leistungsfähigkeit des Kreislaufes anhand eines Belastungs-EKGs getestet. Sieben Röntgenbilder der Wirbelsäule werden angefertigt und ausgewertet, um ganz sicher zu sein, dass der Körper des BMPAs den körperlichen Belastungen des Berufsalltags eines Militärpiloten gewachsen ist. Auch hier wird am Abend des zweiten Tages ein Feedback gegeben, wie es für die weitere Selektion aussieht. Der definitive Entscheid von medizinischer Seite her, wird erst etwas später per Post zugesendet. Ist alles in Ordnung, erhält man das “Medical Class 1“.

PC-7 Simulator Selektion

Die SIM-Selektion ist der letzte Selektionsschritt der Berufseignungsabklärung. Während einer Woche werden im Tessin auf der Airbase Locarno Höchstleistungen in Sachen Konzentration und Multitasking vereint mit fliegerischen Fähigkeiten verlangt. Man muss nicht von Anfang an alles können. Eher wird verlangt, dass man während den zwei Einführungsflügen und den vier Testflügen kontinuierlich an sich arbeitet und versucht, seine Schwächen zu verbessern. Das PC-7 Flugzeug ist im modernen Simulator sehr realistisch simuliert und zu Beginn ist es schwierig, den Anforderungen dieses Hochleistungsflugzeuges gerecht zu werden. Schnell macht man Fortschritte und gewöhnt sich an das Cockpit.

Spätestens jetzt darf man den Militärdienst bestreiten und die Ausbildung zum Offizier der Schweizer Armee durchlaufen. Die Truppengattung spielt dabei keine Rolle. Siehe „Militärdienst“

PC-7 Selektion

Die PC-7 Selektion ist die letzte grosse Hürde, die man in Angriff nehmen darf um Berufsmilitärpilot der Schweizer Luftwaffe zu werden. Hier ein Erfahrungsbericht aus unserer PC-7 Selektion:

Mit vielen Erwartungen und auch einer ordentlichen Portion Nervosität starteten wir in die erste Ausbildungswoche, die gleich mit einem kleinen Höhepunkt startete: Wir durften alle eine komplette Pilotenausrüstung fassen: Ein Fliegerkombi, Pilotenstiefel, Handschuhe, Helm und mehrere Kniebretter. Dazu gab es zwei dicke Ordner. Was es mit denen auf sich hatte, sollte uns bald klar werden, denn die erste Woche war voller Theorieblöcke und so lernten wir in kürzester Zeit die Geographie des Tessins, Flugfunk, Technische Daten der PC-7 sowie Checks und Procedures. Nebst den normalen Fluglagen wurden uns auch bereits erste Kunstflugfiguren theoretisch vermittelt, die es in naher Zukunft zu erfliegen galt. Zusätzlich zu den Theorieblöcken gab es aber auch Sportlektionen und den Technischen Dienst, in welchem wir das Cockpit der PC-7 genauestens kennenlernten. Ende der ersten Woche standen schon die ersten Tests bezüglich Geographie, Checks und Procedures sowie Flugfunk an. Als Höhepunkt der ersten Woche kann man bestimmt den Freitag Morgen nennen. Das erste Mal durften wir mit unserem Fluglehrer zum Flieger laufen, einsteigen, uns anschnallen und eigenhändig die kraftvolle, 550PS starke PT6 Turbine des PC-7 laufen lassen, um für einen simulierten Start zur Piste und wieder zurück zu rollen.

In der zweiten Woche war es endlich soweit und wir verliessen das erste Mal den Boden, um im Arbeitssektor das erste Mal die Steuer der PC-7 zu übernehmen.

Anfangs waren grosse Demonstrationsphasen der Fluglehrer Teil der Flüge. Doch bereits auf dem zweiten Flug durften wir den Start selbst durchführen. Auf dem dritten Flug konnten wir das erste Mal auf die Piste in Locarno anfliegen. Nachdem wir in den ersten drei Flügen erlernt hatten, die PC-7 in allen möglichen standard Flugphasen zu steuern, ging es an die ersten Kunstflugfiguren. Nach sieben Flügen endete die zweite Woche mit den ersten Rollen und Loopings.

In der dritten Woche folgte eine Vertiefung des bereits Gelernten und das Erlernen weiterer, immer komplexeren Kunstflugfiguren sowie zwei Navigationsflüge und diverse Touch and Go’s in Lodrino.

Die vierte Woche startete mit einem letzten, auf unsere Bedürfnisse zugeschnittenen Repetitionsflug und mit diesem 13. Flug war die Ausbildungsphase auch schon vorbei. Nach einem gemeinsamen Foto verabschiedeten sich die Fluglehrer der Trainingsphase und die neuen Fluglehrer der Testphase, alles sehr erfahrene, langjährige Berufsmilitärpiloten, nahmen ihre Plätze auf dem Sitz hinter uns im Cockpit ein.

Nun galt es ernst. Die Testphase hatte begonnen! Ab jetzt waren wir komplett auf uns alleine gestellt. Der Fluglehrer im hinteren Sitz war „mucksmäuschen“ still und gab keine Tipps mehr und auch die Steuer der PC-7 waren ganz unsere. Nach lediglich 13 Flügen konnten wir die PC-7 quasi alleine durch sämtliche Kunstflugfiguren, Navigationsparcours und Starts und Landungen fliegen. Ein tolles Gefühl

Wir alle sind einen weiten Weg gegangen bis hierhin und haben lange von diesen 6 Wochen geträumt! Angefangen beim SPHAIR Screening und dem zweiwöchigen Flugkurs, über die psychologische und medizinische Berufseignungsabklärung sowie die Simulator Abklärung und den Militärdienst bis und mit der Ausbildung zum Offizier der Schweizer Armee.

Wir, die Pilotenauswahl PK 16 möchten euch nahelegen diesen langen Weg ebenfalls auf euch zu nehmen, wenn ihr wie wir vom Fliegen träumt. Denn eines steht fest und das wird euch jeder von uns bestätigen; jeder einzelne der Selektionsschritte hat uns als Menschen weiter gebracht und war eine tolle Erfahrung! Der Höhepunkt der Selektion waren die 18 Flüge, die wir auf der PC-7 fliegen durften und wir somit eine neue Dimension der Fliegerei erleben konnten. Auf jeden Fall war es jeder einzelne Schweisstropfen wert.